Die Kunst der Souveränität

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Sag mir Baby
Wenn ich dich verletze
Bewahrst du das alles in Inneren?
Erzählst Du mir
Alles ist vergeben?
Versteckst Dich nur hinter deinem Stolz.“

Bon Jovi:  Keep the Faith

Dieses Wochenende sind mein Partner und ich ausgegangen zu einem wundervollen veganen Abendessen in einem Hamburger Restaurant namens Leaf.  Es war schon eine ganze Weile her, seit wir das letzte Mal zusammen aus waren und so haben wir es sehr genossen.  Der laue Sommerabend und das ausgezeichnete Essen taten ihren Teil für diesen Gesamteindruck.

Da wir beide gerne guten Kaffee mögen, trinken wir normalerweise einen am Ende eines solchen Essens.  Ich hatte mich schon auf den Moccachino gefreut, da ich den aufgrund meiner Milchallergie in anderen Restaurants oft nicht trinken kann (das Kakaopulver, welches die meisten benutzen, enthält Milch).  Als es zu der Frage kam:  Rechnung jetzt oder nach einem Kaffee – sagte mein Partner:

„Ich will keinen Kaffee.  Du kannst welchen haben, wenn wir zu Hause sind.“

Und danach erklärte er, er sei zu müde für einen Kaffee im Restaurant und dass er nach Hause gehen wolle.

Die Art und Weise in der er das auf den Tisch brachte hat mir gar keine Wahl gelassen und ich bemerkte, dass ich mich verletzt fühlte.  Es hat einige Knöpfe in mir gedrückt.  Bitte verstehe mich richtig:  Natürlich ist es vollkommen in Ordnung für mich, ohne einen Kaffee nach Hause zu gehen, wenn mein Partner mir sagt, er sei zu müde, um länger zu bleiben.  Ich weiß auch, dass er meine Wahl in keiner Weise einschränken und mich auch nicht in irgendeiner Form kontrollieren wollte.  Dennoch fühlte ich mich sehr unwohl.

Andererseits wollte ich keine große Sache daraus machen.  Ich meine, ich weiß, dass er bloß müde war und dass er mich liebt und all das.  Außerdem hatten wir gerade einen wunderschönen Abend zusammen verbracht.  Also habe ich damit geatmet.  Ich habe damit geatmet, dass es mir gut geht.  Doch etwas war aus dem Gleichgewicht geraten.

Oft erleben wir derartige Dinge und schlucken den schlechten Geschmack einfach herunter.  Wir nehmen das Ungleichgewicht hin, weil wir es nicht kompliziert machen wollen oder weil wir denken, es sei nicht wichtig genug, darüber zu sprechen.  Wir denken sogar, es sei dumm oder kindisch.

Ich habe mich auch kindisch und dumm gefühlt.   Aber die Stimme, welche dir das erzählt, lügt.  Es ist überhaupt nicht kindisch.  Und es macht dich nicht zu einer schlechten Person oder gar weniger wert.  Es ist einfach was es ist.

Als ich am nächsten Morgen bemerkte, dass dieses Ungleichgewicht für mich immer noch da war und eine wachsende innere Distanz zwischen meinem Partner und mir erschuf, habe ich mit ihm darüber gesprochen.  Wir haben einander erklärt, wie wir uns gefühlt haben, wie unsere Aktionen motiviert waren und was unsere Reaktionen verursacht hat.  Wir haben einen Konsens gefunden, was leicht war, da wir nicht wirklich verschiedener Meinung waren, und haben ein neues Gleichgewicht erschaffen.  Alles ist gut.

Was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe – und das ist der Grund, warum ich darüber schreibe – ist dies:

Oft sprechen wir mit unseren Lieben nicht über die Dinge, die uns bewegen oder verletzen, weil wir denken, solche Dinge (oder wir selbst) seien zu klein.  Doch all diese scheinbar kleinen Dinge herunterzuschlucken, kann dazu führen, lediglich mit wachsender innerer Distanz nebeneinander her zu leben, anstatt in liebender Verbindung miteinander zu leben.

Die Sache ist die:  Wenn es groß genug ist, dein inneres Gleichgewicht zu beeinträchtigen, ist es niemals zu klein, um erwähnt zu werden.  Weil du nicht klein bist.  Du bist Liebe.

Souveränität bedeutet nicht, dass dich nichts berührt.  Souveränität bedeutet, dass du dir gewahr bist darüber, was Auswirkungen auf dich hat und wie es sich auf dich auswirkt und dass du die Klarheit hast, damit auf eine Weise umzugehen, die es dir erlaubt, deinen inneren Frieden und Gleichgewicht zu pflegen.  Das kann für jede und jeden Einzelnen unterschiedlich aussehen.

Also, was hilft dir souverän zu sein?  Wo darfst du mehr Souveränität in dein Leben hinein erlauben?

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