Über Gewahrsamkeit, Zeit und Entschleunigung

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Kennst Du das?

  • Man sitzt am Computer, hat alles erledigt und könnte den Computer eigentlich ausschalten aber man tut es nicht, als würde man darauf warten, dass die nächste E-Mail dieses schwarze Loch füllt, was sich am Ende des Tages auftut wie ein ausgetrockneter Brunnen.
  • Man hat das Gefühl, die ganze Zeit auf etwas zu warten und auf einmal ist der Tag herum und man fühlt sich immer noch unerfüllt.
  • Man hat das Gefühl, die Zeit rast nur so dahin und man jagt irgendwie sich selbst hinterher.

Nun, ich kenne diese Gefühle ganz gut und habe in letzter Zeit viel darüber reflektiert.  Dabei habe ich etwas bemerkt:

  • Wenn ich am Computer sitze und ihn nicht ausschalte in der Hoffnung, dass die nächste E-Mail mir Erfüllung bringt, bin ich eigentlich schon ausgelaugt und habe bereits viel zu lange am Computer gesessen.
  • Wenn ich den ganzen Tag das Gefühl habe, auf etwas zu warten, dann schenke meinen eigenen Bedürfnissen zu wenig Aufmerksamkeit.
  • Wenn der Tag nur so dahin rast, dann halte ich zu wenig inne.

Jedes Mal verursache ich diese Gefühle selbst mit meinem eigenen Verhalten.  Ich denke, ich müsste irgendwelche Erwartungen erfüllen, die aus dem Außen an mich gestellt würden.  Dann stelle ich diese (vermeintlichen) Erwartungen aus dem Außen über meine eigenen Bedürfnisse im Innen und hoffe, dass das Außen dafür meine Bedürfnisse erfüllt.  Letzteres geschieht natürlich im Allgemeinen nicht.  Und das fühlt sich dann ganz schön frustrierend und ausgelaugt an.

Was füllt meinen inneren Brunnen?  Was erfüllt mich?  Wie kann ich bei mir sein?

Gewahrsamkeit

Der erste Schritt für mich ist hier, gewahr zu sein.  Zunächst darf ich innehalten und diese Gefühle einmal wahrnehmen.

  • Ich sitze mal wieder am Computer und schaffe es nicht, ihn auszuschalten.  –  Moment mal!  Was fühle ich jetzt wirklich?  Fühlt sich mein vielleicht Brunnen ausgetrocknet an?
  • Ich will eigentlich an meinen Projekten arbeiten, aber irgendwie schaffe ich es nicht, damit anzufangen.  –  Moment mal!  Was fühle ich jetzt wirklich?  Fühle ich mich vielleicht irgendwie unerfüllt?
  • Ich schaffe mal wieder irgendwie gar nichts und die Zeit rinnt mir nur so durch die Finger.  –  Moment mal!  Was fühle ich jetzt wirklich?  Fühle ich mich vielleicht vernachlässigt und überfordert?

Jeder solcher Momente ist ein Hinweis darauf, wo ich in meinem Leben mehr Gleichgewicht erlauben darf.  Also frage ich mich jedes Mal, wenn ich bemerke, dass mir alles aus den Händen zu gleiten scheint:

Moment mal!  Was fühle ich jetzt wirklich?

Zeit

Der zweite Schritt für mich ist, mir Zeit zu nehmen.  Ich darf mir Zeit nehmen um mit diesen Gefühlen zu sein und ihnen zuzuhören.

  • Oh, mein Brunnen fühlt sich ausgetrocknet an.  Was sagt mir das?  Ist es vielleicht eine Einladung, den Brunnen wieder aufzufüllen?  Was würde meinen Brunnen jetzt füllen?
  • Oh, ich fühle mich irgendwie unerfüllt.  Was sagt mir das?  Ist es vielleicht eine Einladung, mir selbst Erfüllung zu schenken?  Was würde mich jetzt erfüllen?
  • Oh, ich fühle mich vernachlässigt und überfordert.  Was sagt mir das?  Ist es vielleicht eine Einladung, weniger bei anderen mehr bei mir zu sein?  Was würde mich jetzt zu mir führen?

Jedes dieser Gefühle hält eine Einladung für mich bereit.  Also halte ich inne und frage:

Was sagt mir das?  Wozu bin ich jetzt eingeladen?

Entschleunigung

Der dritte Schritt für mich ist, bewusst zu entschleunigen.  Ich darf aufhören, mich für etwas im Außen zu verausgaben und anfangen, mich meinem Inneren zuzuwenden.

  • Okay, mein Brunnen fühlt sich ausgetrocknet an.  Anstatt darauf zu warten, dass er irgendwann von Außen gefüllt wird, darf ich mir das Geschenk erlauben, ihn selbst zu füllen.
  • Okay, ich fühle mich irgendwie unerfüllt.  Anstatt darauf zu warten, dass mich irgendetwas im Außen erfüllt, darf ich mir das Geschenk erlauben, mich selbst zu erfüllen.
  • Okay, ich fühle mich vernachlässigt und überfordert.  Anstatt darauf zu warten, dass sich mir irgendwann jemand im Außen zuwendet, darf ich mir selbst Zuwendung schenken.

Jede dieser Situationen enthält ein Geschenk, das ich mir selbst geben kann.  Also nehme ich die Situation an und frage:

Welches Geschenk habe ich jetzt für mich?  –  Und dann schenke ich es mir.

Es ist schon eigenartig mit Dingen wie Gewahrsamkeit und Zeit.  Wir denken oft, wir hätten zu wenig davon.  Dabei ist es ganz einfach, sie zu bekommen:  Wir können sie uns selbst schenken.  Und wenn wir dies tun, dann erleben wir eine wunderbare Entschleunigung in dieser scheinbar so hektischen Zeit.

Und jetzt bist Du dran.

Was sind Deine Erfahrungen mit diesem Thema?  Hast Du auch schon Mal solche Verhaltensweisen an Dir beobachtet?  Was hilft Dir, Raum für Dich selbst zu gewinnen?

Alles Liebe,
Steffi