Älterwerden, Was Heißt Das Eigentlich?

Growing Older - What Does that Mean, Actually? © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

“Blumen sorgen sich nicht um Dinge wie Kontrolle oder das Älter Werden. Sie geben sich ganz dem Fluss des Lebens hin.” -Stefanie Neumann

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Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Also dachte ich mir, ich nehme dies zum Anlass, über etwas zu schreiben, was mich nun schon eine Weile beschäftigt.

Was bedeutet eigentlich älter werden?

Nicht, dass ich Angst davor hätte, oder so etwas. Doch bemerke ich Veränderungen an mir, in mir. Und dann gibt es auch wieder Aspekte, die sich gar nicht verändert haben.

Erstens kommt es anders…

Man wird nicht älter sondern reifer. … Und im Besten Falle auch weiser.“

-Stefanie Neumann

Die Veränderungen, die ich bemerke, haben vor allem etwas damit zu tun, wie ich die Welt sehe und wie ich denke, dass die Dinge funktionieren „sollten“.

Zum Beispiel schaue ich auf meine Träume und Wünsche aus meiner Jugend sowie meinen Zwanzigern und merke, dass die Zwanzigjährige in mir immer noch darauf wartet, dass sie Realität werden. Dann schaue ich genauer hin und sehe: Sie sind bereits Realität. Nur sind sie auf ganz andere Weise eingetreten, als ich es mir vorgestellt hatte. Die meisten dieser Wünsche und Träume kamen nicht in einem grellen Lichtstrahl vom Himmel herabgefahren oder kündigten sich mit Pauken und Trompeten an, als sie für mich wahr wurden. Vielmehr verwirklichten sie sich oft ganz im Stillen und integrierten sich sanft, fast unmerklich in mein Leben.

Das macht Sinn, oder? Grelles Licht täte den Augen weh. Pauken und Trompeten hätten mich vielleicht erschreckt. Sanft hingegen geht ganz leicht. Dafür braucht es einen gewissen Grad an Ge-wahr-samkeit, um sie wahr-zunehmen.

Errungenschaften

Nicht das Erreichen von Zielen, sondern das Erkennen, das alles im Fluss ist, in ständiger Bewegung, ist die Errungenschaft des Älterwerdens.“

-Stefanie Neumann

Die Welt in der ich aufgewachsen bin hat uns gelehrt, dass wie etwas erreichen müssen. Wir müssen hart arbeiten und Ziele setzten und am Ende etwas vorweisen.

Mein Haus, mein Auto, mein Pool.

Das Ergebnis dieser Doktrin sehe ich heute oft. Ich höre von Herzinfarkten, Burnout und von Menschen, die vor lauter Arbeit an ihrem Schreibtisch ableben. Wofür?

Ein Haus, ein Auto, ein Pool?

Ich habe nichts davon vorzuweisen. Weder ein Haus, noch ein Auto, noch einen Pool. Lange Zeit dachte ich, meine Träume wären im Sand verlaufen. Doch das sind sie nicht.

Ich habe eine Fülle von Frieden, Liebe und Freude in meinem Leben.

Fast nichts von dem was ich als junges Mädchen erträumt habe, ist so gekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Doch fast alles ist für mich wahr geworden.

Vertrauen

Die Welt, in der ich aufgewachsen bin, hat uns beigebracht, dass wir alles kontrollieren können und müssen. Die Welt in der ich lebe hat mir gezeigt, dass dem nicht so ist.“

-Stefanie Neumann

Und anscheinend bin ich nicht die Einzige, der das so geht. Matt von Must Be This Tall To Ride schreibt in seinem englischsprachigen Beitrag „Happy Birthday, Mom“:

Jeden Tag wache ich auf und komme Schritt für Schritt näher dahin, völligen Frieden damit zu machen: Ich habe keine Kontrolle. Ich weiß nicht, was als Nächstes passiert. Aber alles wird okay sein.”

-Matt
[Übersetzung von mir]

So beängstigend das auch manchmal erscheinen mag, so ist es doch die Wahrheit:

Ich kann nichts kontrollieren. Gar nichts. Doch ich kann erlauben und vertrauen.

Ich kann nicht kontrollieren, wie andere auf mich reagieren. Ich kann nicht kontrollieren, wie das Wetter morgen wird oder wer heute mit mir zusammen in den Bus steigt.

Ich kann mir erlauben, Frieden mit anderen zu erfahren. Ich kann mir erlauben, den Tag zu genießen und Freude beim Busfahren zu haben. Und ich kann vertrauen, dass alles gut ist.

Und bei alledem fühle ich mich oft immer noch wie Mitte zwanzig. Nur mit mehr Lebenserfahrung.

Wie geht es Dir mit dem Älterwerden? Machst Du ähnliche Erfahrungen? Oder ist es für Dich ganz anders?

Alles Liebe,
Steffi