Wer Bin Ich Ohne Meine Geschichte?

Who Am I Without My Story? © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

This post is also available in English language.

Reflexionen in Schwarz und Weiß

Kürzlich habe ich eine Reihe von Fotos gemacht, während unseres Besuchs im Hamburger Dahliengarten Ende September. Einer der am höchsten gepriesenen Aspekte der Dahlien, neben ihrer diversen Formen, sind ihre lebendigen Farben. Es gibt Momente im Sonnenlicht, wo jene Farben geradezu die Kapazität meiner Kameralinse sprengen.

Während ich die Fotos durchgesehen habe, die ich gemacht hatte um sie für die Onlineveröffentlichung fertigzustellen, begann ich, mit dem Monochrom-Filter des Bearbeitungsprogramms meiner Kamera zu spielen. Obwohl ich Freude habe an der Kunst, wie andere Fotografen es anwenden, bin ich persönlich kein Fan davon, ein Abbild komplett zu manipulieren und zu verändern – zum Beispiel mit Photoshop. Ein wenig Nachbearbeitung indes, um Licht, Weißabgleich, Kontrast und Schärfe zu balancieren, kann helfen, noch besser hervorzukitzeln, was ich ursprünglich in dem Bild gesehen habe. Aber ich schweife ab…

Da saß ich nun, diese Dahlienbilder auf meinem Bildschirm – mit ihren sonderbaren Formen und lebendigen Farben – und aktivierte den Monochrom-Filter, eines nach dem anderen. Und etwas Interessantes geschah. Während ich die Schwarzweiß-Fotos anschaute, erfuhr ich eine neue Ebene von Ruhe. Alle Farben bis auf die Grautöne abgestreift, kamen andere Aspekte in den Fokus, als ob der Lärm all der schönen Farben ihnen zuvor nicht genug Raum erlaubt hatte, gesehen zu werden

Manchmal frage ich mich, wie sehr das auf unser eigenes Leben zutrifft.

Während es wichtig ist, sich daran zu erinnern woher wir kommen – und Geschichte bietet diesen Erinnerungen einen Raum, ist es ebenso wichtig, sich gewahr zu sein, wo – und mehr noch – wer wir Jetzt sind.”

–Stefanie Neumann

Reflexionen ohne eine Geschichte

Viele unter uns, mich eingeschlossen, haben sehr farbenfrohe Geschichten zu erzählen. Oft könnten sie ganze Buchbände füllen. Es ist spaßig und traurig und berührend und interessant, sie zu teilen und ihnen zu folgen. Doch wenn wir ihnen erlauben, zu viel Lärm zu machen, dann verpassen wir es vielleicht, den gegenwärtigen Moment zu würdigen.

Was wäre, wenn wir nur für einen Moment all die Geschichten abstreifen und einfach im Jetzt sind? Wer würde jede/r von uns sein?

Da wäre kein Streiten über nationale Geschichte, lang gewachsene politische Meinungen oder harsche Erfahrungen aus der Kindheit; kein Urteil, Tadel und Scham. Da wären auch keine Ausflüchte, die uns erlauben, nicht zu sein, wer wir uns in diesem Augenblick zu sein wünschen.

Was tatsächlich da wäre, ist eine Menge Raum um zu erstrahlen und zu sein, wer wir zu sein wählen.

Ich bin hier, um zu sein das ich bin”

-Stefanie Neumann

Ohne meine Geschichte, nur für einen Moment. – Wie klingt das für Dich? Fühlt es sich nach Wundern und Abenteuer an? Oder fühlt es sich beängstigend und unsicher an? Wie sieht Deine Erfahrung aus?

Alles Liebe,
Steffi