Ruhe Anstelle von Betriebsamkeit

Calm Instead of Bustle © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

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Mein Ehemann und ich leben in einer kleinen Wohnung in der Stadt, umgeben von vielen anderen Wohnungen.  Die Wände sind nicht besonders dünn, dennoch ist es normal, ab und zu ein paar Lebenszeichen von den Nachbarn zu hören.  Ich persönlich finde das ganz normal.  Wir sind eine Gemeinschaft von vielen verschiedenen Leuten mit vielen verschiedenen Bedürfnissen auf relativ kleinem Raum.  Das bedeutet Toleranz ebenso wie Rücksichtnahme im Kontakt miteinander.  Zu einem gewissen Grad bedeutet es auch Verbindung.

Betriebsamkeit

In letzter Zeit jedoch habe ich eine ganze Menge ungewöhnliche Aktivität um mich herum bemerkt.  Es fühlt sich an, als hätten plötzlich alle Hummeln im Hintern.  Jeden Tag ist da Klopfen und Handwerkslärm.  Richtig laute Streitereien brechen aus, dauern mehrere Tage an mit Leuten, die vor dem Haus stehen und sich die Lunge aus dem Hals schreien.  Es gibt Leute, die den Sonntag zu ihrem wöchentlichen Tag des Frühjahrsputz machen, Umräumen der Möbel inklusive.

Letzten Sonntag erreichte alles einen Höhepunkt.  Ich wurde vom Hämmern in der Wohnung direkt neben unserem Schlafzimmer geweckt.  Gleichzeitig kamen schiebende Geräusche aus dem Apartment über uns.  Während des Frühstücks fielen die Leute aus der Wohnung auf der anderen Seite – neben unserer Küche (und Frühstücksraum) – mit einem eigenartigen Lärm ein.  Und während meines Nachmittagsschlafes entschloss sich schließlich der Nachbar unter uns im Treppenhaus vor seiner Tür Staubzusaugen.  Zur Erinnerung:  Es war Sonntag.

Angst

Es fühlte sich an, als hätten die Leute regelrecht Angst davor, zur Ruhe zu kommen.  Das ist etwas, woran ich mich gut von meinem eigenen Weg her erinnere und es scheint immer noch hin und wieder an meine Tür zu klopfen.  Dieses Gefühl, dass, wenn man zur Ruhe kommt, etwas aus den dunklen Tiefen des Unbekannten auftauchen wird.  Etwas Großes und Machtvolles.  Man weiß nicht, was es ist und die Kombination von unbekannt und machtvoll ängstigt einen so sehr, das man sich fast in die – naja, Du weißt schon.  Also bleibt man betriebsam, um jeden Preis.

Das fällt hübsch mit der Angst zusammen, nicht genug zu sein.  Gut genug.  Produktiv genug.  Hübsch genug.  – Die Liste geht endlos weiter.  Die Gesellschaft in der die meisten von uns aufgewachsen sind, hat uns gelehrt, dass wir besser sein müssen, mehr tun müssen, besser aussehen müssen.  Wir haben gelernt, dass Geschäftigkeit eine gute Sache ist und Ruhe gleich Faulheit bedeutet.  Wenn man nur hart genug arbeitet, kann man alles erreichen, richtig?!

Fokus

Ich persönlich glaube nicht mehr, dass es so funktioniert.  Tatsächlich glaube ich, dass man, wenn man nur hart genug arbeitet, nichts erreicht außer harter Arbeit.  Ich glaube, dass Energie der Aufmerksamkeit folgt und dass worauf wir uns auch immer fokussieren das ist, was wir am Ende bekommen.  Ich glaube, es ist ziemlich genau wie in “bittet so wird Euch gegeben”.

Was bedeutet das im Bezug auf die Angst vor dem mächtigen Unbekannten?

Meiner persönlichen Erfahrung nach bedeutet es, wenn ich mich auf Angst und davor Weglaufen fokussiere, finde ich mehr Angst und mehr Weglaufen.  Es bedeutet auch, wenn ich erwarte, dass das mächtige Unbekannte etwas schlechtes ist, erfahre ich es als solches.

Was, andererseits, wenn ich die Tür einen kleinen Spalt für die Möglichkeit öffne, dass das mächtige Unbekannte, was ich tief drinnen bemerke, etwas Wunderschönes ist?  Was, wenn ich das Potenzial für etwas Großartiges und Gutes erlaube?

Was, wenn dieses Unbekannte und Mächtige meine eigene, wunderschöne Großartigkeit ist?

Ruhe

Zugegeben, der Pfad zu dieser wunderschönen Großartigkeit scheint oft mit unerkannten Gefühlen wie Scham, Schuld und was-nicht-alles verstrickt zu sein.  Was immer es ist, Ich habe gelernt, dass es nicht weggeht, wenn ich wähle, wegzulaufen.

Nur wenn ich wähle, zur Ruhe zu kommen, einen tiefen Atemzug zu nehmen und dann Verantwortung für meine eigenen Gefühle zu übernehmen, ermächtige ich mich, das Alte gehen und meine eigene, wunderschöne Großartigkeit an dessen Stelle treten zu lassen.”

-Stefanie Neumann

Anstatt mich für blinde, betäubende Betriebsamkeit zu entscheiden, erinnere ich mich öfter daran, Ruhe zu wählen.  Manchmal dauert es ein bisschen, bis ich es bemerke.  Manchmal bemerke ich es und handle noch eine Weile länger störrisch.  Doch immer, wenn ich Ruhe wähle, fühle ich mich so viel besser, stärker und freier.

Und nach diesem vergangenen Sonntag erinnere ich mich sicher noch besser daran.

Kennst Du solche Momente auch?  Hast Du mal diese Art von fast zwanghafter Betriebsamkeit erfahren?  Hast Du etwas, das Dir in solchen Momenten hilft, Dich zu fokussieren und Deine Mitte zu finden?

Alles Liebe,
Steffi