Hochsensible und Empathen – Ein Lebensweg

Highly Sensitives and Empaths – A Way of Life © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

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Ich möchte, das du mir aufmerksam zuhörst Harry: Du bist kein böser Mensch! Du bist ein sehr guter Mensch, dem Böses widerfahren ist, hast du verstanden?! Außerdem teilt sich die Welt nicht in gute Menschen und Todesser, wir haben alle sowohl eine helle als auch eine dunkle Seite in uns. Es kommt darauf an, welche Seite wir für unser Handeln aussuchen. Das macht uns wirklich aus.”

-Sirius Black, Harry Potter und Der Orden des Phönix

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Letzte Woche habe ich Eine Gedächtnisstütze mit obigem Zitat veröffentlicht.

Was mich an diesen Worten am Meisten fasziniert, ist, dass sie Empathen wie mir eine wunderschöne Anleitung geben, zurück in unsere Mitte zu finden, wenn wir uns verwirrt und aus der Bahn geworfen fühlen.

Für jene unter Euch, welche die Harry Potter Geschichten nicht kennen oder sich gerade nicht an den Zusammenhang erinnern:

Teenager Harry, der in sehr jungen Jahren ein gegen ihn gerichtetes Attentat überlebte, hat seitdem eine besondere Verbindung zu dem Attentäter, Lord Voldemort, dem Anführer der Todesser. Der Junge hat Albträume in denen er von Voldemort verübte Mordszenen erfährt. Er sieht nicht nur, wie sie passieren, er fühlt sie auch aus der Perspektive des Mörders.

Verwirrt und erschöpft von den jüngsten Ereignissen, welche langsam einen Krieg heraufbeschwören, spricht Harry mit seinem Patenonkel, Sirius Black, über seine Visionen, verwundert, ob etwas in ihm kaputtgegangen ist, so dass er nun selbst böse wird. Obiges Zitat ist Sirius’ Antwort darauf.

Sensibilität und Empathie

Mein eigenes Leben betrachtend, glaube ich, dass es sich oft ganz genau so für hochempathische Personen anfühlt. Viele hochsensible Personen sind auch Empathen. Der Unterschied zwischen hoher Sensibilität und hoher Empathie ist, dass man nicht nur Dinge wahrnimmt, welche andere nicht wahrnehmen, sondern dass man sie auch wie die eigenen Empfindungen fühlt. So, wie Harry, der den Mord nicht nur sieht, während die Anderen noch nichts davon wahrnehmen.  Er fühlt auch, was der Mörder fühlt.

Dies kann sehr verwirrend sein. Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Unterhaltung, die ich einmal im Bus mit einer Person führte, die sehr verurteilend gegenüber Ausländern und Homosexuellen war. Die Person hat es nicht explizit in Worte gefasst, doch ich konnte die Vorurteile spüren. Als ich den Bus alleine verließ, fühlte ich Scham für diese Vorurteile, denn einen Moment lang glaubte ich, sie wären meine eigenen. Dann bemerkte ich, dass dies nicht sein kann, da ich keine der Ängste teile, welche zu jenen Vorurteilen führen. – Später erhielt ich Bestätigung für die Wahrnehmung, dass dies Gefühle waren, welche die andere Person gefühlt aber nicht ausgesprochen hatte.

Du Kannst nicht Erkennen was Du nicht Kennst

Natürlich konnte ich in jener Situation die Vorurteile nur deshalb als solche erkennen, weil ich Vorurteile (oder auch Urteile) kenne. Ich habe sie von anderen erfahren und selbst praktiziert. In diesem Leben kann ich nicht behaupten, dass ich jemals die Ideen der Person, mit der ich mich an jenem Tag unterhalten habe, geteilt hätte. Aber ich weiß mit Sicherheit, wie es sich anfühlt, zu verurteilen.

Empathische Menschen haben gewöhnlich eine weite Bandbreite an emotionaler Erfahrung. Deshalb können sie mit all diesen Gefühlen resonieren, deshalb kennen sie diese Gefühle können sie daher erkennen. Diese Menschen haben all jene Gefühle bis in die Tiefe hinein erkundet, bevor sie ihre Wahl getroffen haben darüber, was sie ausmacht und wer sie sein wollen.

Ein Talent zum Wertschätzen

Aus dieser Perspektive betrachtet, braucht es große Stärke und Mut, ein Empath (oder eine hochsensible Person) zu sein und mit diesen Qualitäten zu leben.

Es ist wahr, als jemand, der eine Menge spürt braucht man mehr Rückzugsraum als jemand, der weniger intensiv spürt. Für Andere mag dies wie das Leben eines Introvertierten aussehen. Andererseits, ein hoher Pegel an Sensibilität oder Empathie erfordert generell große Offenheit. Es erfordert den Mut, all den Gefühlen und Emotionen, die man hat, ins Angesicht zu schauen – den Lichten ebenso wie den Dunklen. Es verlangt Klarheit darüber, wer man ist. Es ist wahr, dass diese Menschen dazu tendieren, sich ihrem eigenen inneren Selbst zuzuwenden, um mehr über das herauszufinden, was ihnen im Außen gegenüber steht. Doch es ist nicht wahr, dass sie in ihrer eigenen kleinen Welt leben, ohne Verbindung zu dem, was um sie herum vor sich geht. Ich würde sagen, eher das Gegenteil ist der Fall.

Wie oft habe ich Menschen gehört, die mir erzählten:

“Du bist zu sensibel.”

“Du musst härter werden.”

“Du musst stärker werden.”

“Du musst Dich bewaffnen und verteidigen.”

Wenn Du eine hochsensible oder hochempathische Person bist, bin ich hier, um Dir zu sagen:

Du bist perfekt wie Du bist. Ja, Du bist vielleicht anders als die meisten Anderen. Das ist so, weil Du ein besonderes Talent in die Welt bringst.

Die Tatsache, dass Du ohne Waffen und Verteidigung kommst, bringt Frieden. Dass Du den Mut hast, Deiner Schwäche zu begegnen, bringt Stärke. Deine Weichheit und Sanftheit strahlt aus in die Welt und erschafft Raum für diese Qualitäten. Deine Sensibilität ist ein Geschenk. Sie macht Dich zu einem Anführer, einem Weg-Weiser für jene, die Frieden, Zartheit und Unterstützung suchen.”

-Stefanie Neumann

Jeder hat viele besondere Talente. Deine Sensibilität und/ oder Empathie ist eines von Deinen.

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Hast Du Erfahrung mit hochsensiblen oder empathischen Personen? Oder bist Du vielleicht auch eine? Magst Du Deine Erkenntnisse hier teilen?

Alles Liebe,
Steffi