Geschichten von der Grünen Insel Teil II

Stories from the Emerald Island Part II © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

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Zu Ehren des St. Patricks Tages, welcher Mitte des Monats von vielen Menschen rund um die Welt gefeiert wird, wähle ich, einige der Erfahrungen, die mir in Irland geschenkt wurden, zu teilen…

Aufrichtige Freundlichkeit

Eine Sache, die für mich in Irland offensichtlich war, ist die aufrichtige Freundlichkeit der Iren. Egal, in welchen Situationen wir anderen Menschen begegneten, es fühlte sich mindestens so an, als würde ich einen alten Bekannten treffen – jedenfalls in meiner deutschen Wahrnehmung.”

-Stefanie Neumann

Nehmen wir, zum Beispiel, die Situation von jemandem, der nach dem Weg fragt…

Hamburg

Die Menschen in meiner Heimatstadt Hamburg, Deutschland, sind als etwas kühl aber freundlich bekannt. Das muss die norddeutsche Gesinnung sein: Karg wie die Landschaft, doch einmal verbunden, warm wie das heimische Herdfeuer.

Wenn jemand draußen auf der Straße nach dem Weg fragt, helfen die Leute für gewöhnlich, wenn sie können, beschäftigen sich aber auch nicht weiter damit, wenn sie den Weg selbst nicht kennen. So erlebe ich es zumindest.

Für mich ist das ziemlich normal, obwohl ich persönlich mich immer etwas unwohl fühle damit, einen Fremden, der sich verirrt hat, einfach seinem Schicksal zu überlassen, anstatt zu helfen, jemanden zu finden, der den Weg kennt. (Ergo verbringe ich gewöhnlich mehr Zeit als der Durchschnitts-Hamburger damit, Fremden zu helfen, ihren Weg zu finden…)

Berlin

Die Menschen in der deutschen Hauptstadt sind als schroff und recht unverblümt bekannt. Denke an: Menschen, die ununterbrochen dem hohen Stress des Lebens in Metropolis ausgesetzt sind. Obwohl ich sagen muss, dass all die Leute aus Berlin, welche ich persönlich kennengelernt habe, bis zum Grund ihres Seins freundlich sind; und ich schätze sehr die Ehrlichkeit, welche mit der Unverblümtheit einhergeht.

Wenn jemand draußen auf der Straße nach dem Weg fragt, wird gewöhnlich nicht einmal jemand die Frage zu Ende anhören, im besten Falle. Sollte jemand ein Bedürfnis verspüren, einer wirklich schlechten Stimmung Luft zu machen, pöbeln sie den Fremden vielleicht sogar an. Nochmals, so erlebe zumindest ich es.

Für mich fühlt sich das ziemlich befremdlich an, trotz des Gewahrseins, dass die Berliner selbst wahrscheinlich so etwas sagen würden, wie: “Hunde, die bellen, beißen nicht.” Nun, lass es mich so sagen: Wann immer ich in Berlin weile, vermeide ich so eine Situation, in der ich nach dem Weg fragen muss.

Dublin

Die Menschen in der irischen Hauptstadt sind, wie schon gesagt, für ihre aufrichtige Freundlichkeit bekannt. Es scheint mir manchmal so als ob, je dunkler die Wolken werden, das Lächeln der Menschen umso strahlender wird.

Wenn jemand draußen auf der Straße nach dem Weg fragt, helfen die Leute nicht nur, wenn sie können, sie begleiten den Fremden aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch zum gewünschten Bestimmungsort. Wenn sie den Weg selbst nicht kennen, versetzen sie Berge, um jemanden zu finden, der sich auskennt. Ich wiederhole: das ist mein persönliches Erleben.

Für mich fühlt sich das auf eine Art wie nach Hause kommen an, danach, meinen Stamm zu finden. Menschen zu treffen, die sich genau so sehr wie ich zuwenden. Ein Ort, wo man nicht gleich ein Außerirdischer ist, wenn man mal etwas Freundlichkeit an den Tag legt.

Es mag sich für einige seltsam anhören, doch für mich war diese Erfahrung so ermutigend. Um ehrlich zu sein, hatte ich manchmal schon angefangen, mich für mein offenes Herz zu schämen und dafür, dass ich mich vermeintlich zu viel um andere kümmere. An einem Ort zu weilen, wo sich jeder so viel umeinander kümmert, hat mich wieder in die Spur gebracht, da es sich für mich so viel besser anfühlt, mein Leben offenen Herzens zu leben.

Hast Du einen Ort oder eine Gruppe von Personen, wo Du Dich auf solche Weise zuhause fühlst? Wie viel von jenen Qualitäten, von denen Du gerne mehr in der Welt sehen würdest, lebst Du tatsächlich selbst? Was für einfache Handlungen der Güte könntest Du in Deinen Alltag einbringen, um jeden Tag ein bisschen aufzuhellen?

Alles Liebe,
Steffi