Geschichten von der Grünen Insel Teil III

Hermitage/ Stories from the Emerald Island Part III © Stefanie Neumann - All Rights Reserved.

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Zu Ehren des St. Patricks Tages, welcher Mitte des Monats von vielen Menschen rund um die Welt gefeiert wird, wähle ich, einige der Erfahrungen, die mir in Irland geschenkt wurden, zu teilen…

St. Patricks Tag

Heute ist St. Patricks Tag. In Dublin werden viele der Ansässigen am Morgen zur Kirche gehen. Es gibt eine Parade um die Mittagszeit und danach wird man Zeit mit der Familie verbringen, gutes Essen und Trinken zu sich nehmen und (hoffentlich!) etwas Zeit mit geliebten Menschen genießen, während die Touristen die Kneipen in der Innenstadt stürmen – und Temple Bar wird noch überfüllter als sonst sein.

Ja, obwohl das Konzept der US-amerikanischen St. Patricks Tag-Paraden zu einem spaßigen Teil der irischen Feierlichkeiten wurde, ist dieser Feiertag immer noch einer, um tatsächlich den Heiligen zu ehren und Zeit mit der Familie zu verbringen.

Dennoch wird es in Dublin die ganze Woche über Feiern und Spaß für Touristen und Anwohner gleichermaßen geben.

Wann?

Etwas Geschichte:

Die Geschichte besagt, dass St. Patrick im romanischen Britannien des 4. Oder 5. Jahrhunderts aufwuchs (es gibt da zwei Theorien). Als er etwa 16 Jahre alt war, wurde er von irischen Piraten gefangen genommen und auf der Grünen Insel in die Sklaverei verkauft. Nachdem er sechs Jahre lang Knechtschaft ertragen hatte, hörte er eine Stimme die zu ihm sprach und sagte, dass er würde fliehen und zu seiner Familie zurückkehren können – und so war es. Während der Abenteuer, die ihm auf seiner Heimreise begegneten, fand er Zuversicht im Christentum. Zurück in Britannien studierte er die christliche Religion. Ein paar Jahre später hatte St. Patrick eine Vision von der “Stimme der Iren”, die ihn riefen, unter ihnen zu wandeln. Dieser Vision folgend, kehrte er als ordinierter Bischof nach Irland zurück. Obwohl zunächst nicht von den Einwohnern willkommen geheißen, gewann er schließlich das Vertrauen der Menschen, indem er das Wissen über deren Sprache und Kultur nutzte, welches er während seiner Zeit als Sklave erlangt hatte. Er akzeptierte keine Gaben, nicht einmal von den Wohlhabenden und es scheint, er hatte seine ganz eigene Art, seinen Glauben zu teilen. Es scheint weiterhin so, als hätte er die Angewohnheit gehabt, für den Schutz seiner Gemeinde einzustehen. Als einige seiner Konvertierten von einem Mann namens Coroticus während seiner Raubzüge in Irland als Sklaven gefangengenommen wurden, schrieb Patrick einen offenen Brief an ihn und seine Soldaten, in dem er verkündete, dass er Coroticus exkommuniziert habe und seine Anhänger „Mitbürger der Teufel“ schimpfte. Die Institution der Kirche betrachtete all dies nicht mit Wohlwollen. Der 17. März ist als Todestag von St. Patrick verzeichnet.

Viele Legenden ranken sich um Sankt Patrick. Einer der bekanntesten Symboliken, die mit ihm in Verbindung gebracht werden, das Kleeblatt, geht auf eine Geschichte zurück, laut welcher der Heilige das dreiblättrige Kleeblatt verwendete, um seiner Gemeinde das Konzept der Dreifaltigkeit zu erklären.

Für mich spielt das gut zusammen mit der Idee einiger Folkloristen, die behaupten, Beweise dafür gefunden zu haben, dass St. Patrick eine Kombination aus indigenen religiösen Traditionen und denen des Christentums praktizierte, da das Prinzip der Dreifaltigkeit den alten Religionen Irlands gut bekannt war. Aus meiner Sicht legt dies nahe, dass er, anstatt zur Erklärung des Prinzips der Dreifaltigkeit, das Kleeblatt vielmehr als Symbol nutzte, um eine Brücke zwischen dem alten irischen Glauben und der christlichen Religion zu bilden.

Warum?

Warum sollte ich diesen Tag feiern?

Ich bin keine Christin – noch folge ich irgendeiner anderen Religion. Hauptsächlich deshalb, weil ich dieselbe Wahrheit in ihnen allen sehe und keinen Grund sehe, mich einer Institution zu verschreiben, welche einen Pfad bewirbt. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Ich bin kein Fan davon, über Religion zu streiten oder Leute zu bekehren. Noch ist es meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass man einige der Legenden um St. Patrick als Symbolismus des Triumphes der Briten über die Iren interpretieren könnte. Da die Iren diesen Gedanken anscheinend nicht teilen und ich annehme, dass sie mehr über ihre eigene Geschichte wissen, als ich, werde ich darüber nicht streiten.

Ich bin auch keine Irin; noch Amerikanerin, Australierin, Britin oder irgendeiner anderen Nation angehörig, welche diesen Tag feiert. Naja, genaugenommen bin ich durch meine Heirat schon irgendwie mit ungefähr drei dieser vier Nationen verwandt. Und ich habe für kurze Zeit auf der Grünen Insel gewohnt – was zu den besten Erfahrungen meines Lebens gehört. Und überhaupt ist doch jeder ein bisschen irisch am St. Patricks Tag!

Was?

Also, was feiere ich am St. Patricks Tag – eine nicht christliche, nicht irische Pazifistin?

Naja, zu allererst mag ich Kleeblätter! Ihre Symbolik ist reich, weit über den Teil mit der Dreifaltigkeit für das dreiblättrige und das Glück für das vierblättrige Kleeblatt hinaus. Viele Arten des Klees sind essbar und reich an Vitaminen. Sie wachsen unter unterschiedlichsten Umständen und bringen verschiedenste Formen hervor. Sie sind klein und leicht zu übersehen, doch kraftvoll. Jene, die sich die Mühe machen, hinzuschauen, finden große Schönheit in den manchmal winzigen Blüten. Und als ich ein Kind gewesen bin, war unser Garten voll von weißem Klee. Obwohl die Nachbarn uns die meiste Zeit des Jahres dafür auslachten, dass wir wohl eher ein Kleefeld als einen Rasen hatten, beneideten sie uns um die Schönheit, welche uns dies im Sommer brachte, wenn der Garten mit kleinen weißen Blüten bedeckt war und ein schwacher Duft von Honig in der Luft lag.

Zudem kann ich nicht anders, wenn ich die Legende von St. Patrick anschaue, als seinen Pfad zu bewundern. Er folgte seinem Herzen und dem, woran er glaubte. Er fand einen Weg, dies auszudrücken. Es scheint so, als hätte er seine Leute wahrhaft geliebt, trotz der Härten, welche er zuvor in Irland durchgemacht hat. Er schaffte es, über all die Angst und das Urteil die er empfunden haben muss hinauszugehen. Er hatte keine Angst, etwas Neues zu lernen, noch davor, die Weisheit beider Glaubenssysteme, die ihm begegneten, zu überbrücken. Und er hatte den Mut, seine Wahrheit auszusprechen – sogar gegenüber der Autorität seiner Kirche. Und meines Wissens geschah dies alles ohne gegenseitiges Blutvergießen. Somit mag er vielleicht sogar ein Beispiel dafür sein, einen friedlichen Weg zu gehen.

Zu guter Letzt bin ich sehr dankbar für die Zeit, die ich in Irland hatte (sowie für den zweiten Besuch und alle weiteren Reisen, die ich hoffentlich dorthin mache). Ich fühle mich beschenkt mit den Erfahrungen, die mir begegneten – allesamt. Das Land, die Menschen, die Energien – auf wunderbare Weise lehrten sie mich alle etwas darüber, wer ich bin. Den Tag des Schutzheiligen von Irland zu feiern, ist meine Art, Danke zu sagen.

Lá Shona Fhéile Pádraig! Fröhlichen St. Patricks Tag – wo immer in der Welt Du auch bist und woran auch immer Du glaubst!

Alles Liebe,
Steffi