Sei Du. – Ein Nachruf Auf Kürzlich Verschiedene Mentoren.

Be You. © Stefanie Neumann - All Rights Reserved; #KBFPhotography #KokopelliBeeFree

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All meine großen Fehler passieren, wenn ich versuche, Zweitvermutungen anzustellen oder ein Publikum zu erfreuen.  Meine Arbeit ist immer stärker, wenn ich diesbezüglich sehr egoistisch werde.”

-David Bowie (1947 – 2016)

David Bowies kürzliches Verscheiden war eines, das mich geschockt hat.  Viele Menschen haben ihre alte physische Existenz während der vergangenen Jahre verlassen.  Ihre Zahl scheint in 2015 zugenommen zu haben und sogar noch mehr während des Übergangs zu 2016.  Unter ihnen nicht nur Prominente, bekannt durch die Medien, sondern auch Menschen, die wir kennen, weil sie ein Familienmitglied, eine Freundin, ein Nachbar waren…  Sie wurden vielleicht nicht als Stars im Fernsehen gefeiert, doch mögen sie Helden in unserem täglichen Leben gewesen sein.

Es ist ein menschliches Bedürfnis, Geschichten erzählt zu bekommen. Je mehr wir von Idioten regiert werden und keine Kontrolle über unsere Schicksale haben, desto mehr brauchen wir es, einander Geschichten zu erzählen, darüber, wer wir sind, warum wir sind, wo wir herkommen und was vielleicht möglich ist.”

-Alan Rickman (1946 – 2016)

Letzten Sommer starb ein langjähriger Freund und Nachbar von mir, kurz nach seinem 73. Geburtstag.  Er lebte bereits in diesem Haus, als ich eingezogen bin – wahrscheinlich so lange, wie ich jetzt hier lebe, das werden diesen Oktober 18 Jahre.  Er war seit einer Weile sehr krank und wusste, dass sein Leben bald enden würde.  Auf gewisse Weise hatten wir Zeit, uns voneinander zu verabschieden.  Inzwischen sind neue Nachbarn in das Appartement unter uns eingezogen.  Ich weine und trauere nicht mehr.  Aber es gibt immer noch Momente, wenn es mich einfach trifft.

Geschichten von Vorstellungskraft tendieren dazu, jene aufzuregen, die keine haben.”

-Terry Pratchett (1948 – 2015)

Ich stelle mir vor, Familie und Freunde des Autors Terry Pratchett, welcher im März 2015 verstarb, gehen durch einen ähnlichen Prozess.  Für sie war er mehr als eine Inspiration.  Er war ein Vater, ein Ehemann, ein Freund.  Für mich war er ein Mentor.  Nicht nur, dass seine Bücher mich laut auflachen ließen in einer Zeit wo ich dachte, dass alles Lachen mich verlassen hätte.  Die Weisheit in seinen Geschichten und Interviews fühlen sich für mich auch zu tiefst unterstützend an – und ich lerne immer noch von ihm.  Und erst jetzt beginne ich langsam zu verstehen, dass wir nicht weiterhin die Erfahrung einer physischen Existenz auf dieser Erde miteinander teilen.

Anscheinend mögen die Leute die Wahrheit nicht aber ich mag sie; ich mag sie, weil sie viele Leute aufregt. Wenn Du ihnen oft genug zeigst, dass ihre Argumente Schwachsinn (bullshit) sind, dann wird vielleicht nur einmal einer von ihnen sagen: ‘Oh! Warte mal – ich hatte unrecht.’ Ich lebe für dieses Ereignis. Rar, das versichere ich Dir.”

-Lemmy Kilmister (1945 – 2015)

Lemmy Kilmister, Frontmann der Band Motörhead für 30 Jahre, verstarb ganz am Ende des vergangenen Jahres.  Obwohl ich die härteren Klänge von Rock- und Alternative-Musik schätze, war ich niemals ein Fan dieser Band.  Und ich weiß, dass dies Lemmy nicht weniger interessieren könnte.  Vor einer Weile stolperte ich über eine Dokumentation mit Lemmy Kilmister im Mittelpunkt, welche ich sehr inspirierend fand.  Obwohl ich nicht überzeugt bin, dass wir Freude an einer gemeinsamen Unterhaltung in der Kneipe gefunden hätten, bewundere ich Lemmy für seine Authentizität.  Er lehrte mich darüber, zu sein wer ich bin und nicht an Reue hängen zu bleiben.  Eine sehr wichtige Botschaft für eine hochsensible/ hochempathische Person wie mich.  Und ich lerne immer noch.

I bereue nichts. Reue ist sinnlos. Es ist zu spät für Reue. Du hast es doch schon getan, oder? Du hast Dein Leben gelebt. Sinnlos zu wünschen, dass Du es ändern könntest.”

-Lemmy Kilmister (1945 – 2015)

Ich war nie fähig, mein Leben zu planen. Ich taumle lediglich von einer Unentschlossenheit zur Nächsten.”

-Alan Rickman (1946 – 2016)

Und David Bowie, er war – und ist – der Inbegriff von kreativem Ausdruck für mich.  Er hat Nichts und Niemandem erlaubt, sein Licht und seine Liebe für das, was er tat, zu mindern.  Nicht einmal Drogen.  Er hat Letzteren Mitte der 1970er Jahre während seiner Zeit in Berlin mittels kaltem Entzug entsagt.  Er hat sich immer neu erfunden.  Und die Magie darin:  Er hat sich immer seinen Sinn für sich selbst bewahrt, er ist immer authentisch geblieben.  Er hat mich gelehrt, ohne Angst zu sein die ich bin und dass es etwas Gutes ist, sich selbst auszuprobieren und tief nach den Perlen der Erfahrung zu tauchen.  Und, wer hätte es gedacht, ich lerne immer noch.

Ich weiß nicht, wo es für mich von hieraus hingeht aber ich verspreche, es wird nicht langweilig.”

-David Bowie (1947 – 2016)

Mein verstorbener Freund und Nachbar, den ich oben Erwähnt habe, war jemand, den man als das exakte Gegenteil von David Bowie beschreiben könnte.  Er war in seiner Art eher konservativ, mochte wenn alles so bleibt wie es ist und wenn er wusste woran er war.  Ihm gaben Fantasy-Geschichten nichts, noch Rockmusik oder tiefes Perlentauchen.  Er war kein Prominenter noch war er, was man einen besonders weisen Mann nennen würde.  Doch auf seine eigene Weise hat er mich die gleichen Dinge gelehrt, wie die oben erwähnten Berühmtheiten.  Denn da war diese eine Sache, die er mit ihnen gemeinsam hatte:  Er hatte es gemeistert, zu sein wer er war.  Und das ist immer eine Inspiration.

Das Problem mit einem offenen Geist ist, natürlich, dass Leute darauf bestehen werden, anzukommen und zu versuchen, Dinge hineinzustecken.”

-Terry Pratchett, Wühler (1948 – 2015)

Diese geliebten Menschen und Freunde, Mentoren, Bewunderte und Inspirationen – sie sind weiter gezogen.  Wir sind hier.  Wir haben Erinnerungen.  Wir haben, was wir von ihnen gelernt haben.  Jetzt ist es an der Zeit, uns dies zu eigen zu machen.  Es ist jetzt unsere Verantwortung.

Wann immer uns der Übergang in die nächste Welt von jemandem besonders berührt, scheint es mir ein ziemlich sicheres Zeichen dafür zu sein, dass es jetzt an uns ist, dessen Arbeit fortzuführen – natürlich auf unsere eigene Art und Weise.”

-Stefanie Neumann

Jetzt ist es an uns, Helden (Heroes) zu sein.