Mit Maria den Kreis Tanzen

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Am Sonnabend feierten viele christliche Gemeinschaften Mariä Himmelfahrt, den Tag, an dem Mutter Maria als heiler und ganzer physischer Mensch in den Himmel aufgenommen wurde.

Ich betrachte diesen Tag immer als eine Erinnerung daran, dass wir alle ursprünglich heil und ganz sind. Ja, das siehst Du richtig, ich glaube nicht an eine Erbsünde, die uns alle schuldig macht. Stattdessen glaube ich, dass wir immer eine Wahl haben, wie wir im Leben handeln und uns verhalten.

Auch betrachte ich diese Zeit des Jahres als eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die weiblichen Qualitäten im Leben zu werfen. Den seienden und das erschaffenden und erlaubenden Teil von uns selbst, da wir alle männliche und weibliche Aspekte in uns haben.

Aber darüber habe ich bereits in früheren Beiträgen geschrieben.

Anscheinend geht die Tradition, diesen Tag zu feiern, wie viele andere auch, übrigens bis in vorchristliche Zeiten zurück, wie ich kürzlich hier und hier gelesen habe.

In vielen Gegenden Süddeutschlands sowie in Österreich und der Schweiz ist es eine weitere Tradition für den Mariä Himmelfahrtstag, die geernteten Kräuter zu segnen welche dann zu Heilungs- und Schutzzwecken verwendet werden.

Es ist tatsächlich eine gute Zeit für die Ernte von Kräutern, da viele von ihnen jetzt in ihrer vollen Kraft stehen und einen hohen Gehalt an nützlichen Eigenschaften haben.

Auch das Zurückschneiden der Garten- und Balkonkräuter ermöglicht es ihnen jetzt, rechtzeitig vor dem Winter neue und gesunde Triebe zu bilden, so dass sie im Frühjahr noch gesünder und reichhaltiger für uns nachwachsen können.

Im Einklang mit den jahreszeitlichen Zyklen haben wir unsere Kräuter zu Beginn des Monats geerntet.

Dies brachte uns ein hübsches Bündel Salbei sowie marokkanische Minze, ein paar Lavendelblüten und Blüten des weißen Klees, eine Hand voll Leinsamen plus ein kleines Bündel ihrer dekorativen Stengel, einen Zweig Pfefferminze, den wir gepflanzt hatten, nachdem ein gekauftes Bündel vor einiger Zeit Wurzeln geschlagen hatte und letzten Freitag konnten wir auch unsere ersten Stockrostsamen ernten.

Außerdem blühen unsere Tomaten, so dass wir in diesem Jahr die Chance haben, ein paar schmackhafte Kirschtomaten zu ernten, die wir aus Samen gezogen haben. Wir haben sie spät gepflanzt.

Und im Topf des Vorjahres begann eine Kartoffelpflanze zu wachsen. Offensichtlich haben wir im letzten Jahr etwas übersehen. Das könnte uns später eine kleine unerwartete Kartoffelernte bescheren.

Ich habe gelesen, dass in einigen orthodoxen Traditionen Honig, Äpfel und Brot Teil der Feierlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt sind. Interessanterweise hat Kim gerade rechtzeitig vor diesem Datum eine kleine Tüte voller geernteter Äpfel mit nach Hause gebracht.

So haben wir mit einigen davon ein veganes Apfel-Zwiebel-Schmelz (wie die Rezepte mit Schmalz, nur in einer veganen Version) für Weihnachten zubereitet, und ich habe auch Slow-TV-Aufnahmen für Dich:

Den Rest der Äpfel haben wir in einem leichten Sirup eingelegt, auch für die Feiertage, und auch davon habe ich Slow-TV-Aufnahmen:

Diese Äpfel sind etwas Besonderes. Sie haben rote Blüten, Fruchtfleisch und Kerne und einen fast kirschähnlichen Geschmack. Die Kerngehäuse werden natürlich zur Herstellung eines ganz besonderen Essigs verwendet:

Wir haben auch noch mehr Pflaumenmus hergestellt:

Zusätzlich haben wir eine Charge Zwetschgenmus hergestellt:

Außerdem haben wir gestern Fenchel-Konfitüre sowie zwei Sorten Rote-Zwiebel-Konfitüre gemacht. Diese sind nicht nur für sich allein als Brotaufstrich sehr schmackhaft, sie passen auch zu vielen Gerichten. Wir haben zwei Gläser Fenchel-Konfitüre und je ein Glas Zwiebel-Konfitüre für die Winterfeiertage beiseite gestellt. Lecker!

Die Fenchel-Konfitüre haben wir mit grünen Trauben und dem selbstgemachten Birnenessig vom letzten Jahr hergestellt:

Die Zwiebel-Konfitüre haben wir in zwei Chargen aufgeteilt. Die eine haben wir mit blauen Trauben und dem hausgemachten Nashi-Essig vom letzten Jahr gemacht, die andere Charge haben wir mit Blaubeeren und dem hausgemachten Quittenessig vom letzten Jahr hergestellt:

Zusätzlich haben wir auch unsere ersten Essige dieser Saison abgefüllt: Banane-Erdbeere, Banane-Erdbeere-Pflaume, Erdbeere-Pflaume, Banane-Erdbeer-Apfel und Apfel-Pfirsich-Banane und gestern haben wir Bananen-Apfel-Essig abgefüllt. Die kann man nirgendwo in der Stadt kaufen.

Glücklicherweise hatten wir letztes Jahr die Gelegenheit, mehrere große Bündel Beifuß zu sammeln. Es wuchs wie verrückt an unserem Lieblingsplatz. In diesem Jahr werden wir es wegen der Pandemie nicht dorthin schaffen, deshalb ist es gut, dass wir etwas mehr geerntet haben, als wir es konnten.

Letztes Jahr haben wir auch wie verrückt Früchte in Sirup eingelegt, was sich jetzt, aus ähnlichen Gründen, als sehr hilfreich erweist.

Weißt Du was?

In meinem ganzen Leben habe ich noch nie Clotted Cream gegessen. Es kursieren jetzt Rezepte, wie man selbst welche machen kann. Nur, dass ich weder Milchprodukte von Tieren verwenden kann noch möchte. Aber ich habe mich schlau gemacht und beschlossen, es mit Kokosmilch zu versuchen. Ich habe herausgefunden, dass die verwendete Sahne nicht pasteurisiert werden sollte, weil zu viel Hitze die Gerinnungsfähigkeit oder die Proteine zerstört. Daher bezweifle ich, dass dies mit Kokosmilch aus der Dose funktionieren würde. Aber wir machen unsere eigene, indem wir heißes Wasser über Kokosflocken gießen, sie 30 Minuten ruhen lassen, dann alles zermahlen und durch einen Nussmilchbeutel abseihen.

Zu diesem besonderen Datum beschloss ich, mir selbst eine Freude zu machen und es auszuprobieren. Wir sorgten dafür, dass das Wasser, welches wir für unsere Kokosmilch verwendeten, nicht mehr kochte, sondern nur noch 80°C aufwies. Nach dem Abseihen der Kokosmilch warteten wir ein wenig, bis sich die Sahne obenauf abgesetzt hatte. Wir schöpften den Rahm ab und gossen ihn mit etwas mehr Kokosmilch in eine flache Schüssel, so dass er den Boden etwa zweieinhalb Zentimeter bedeckte. Dann gingen wir nach dem klassischen Rezept für Clotted Cream vor und ließen sie 12 Stunden bei 80°C im Ofen stehen, damit die Sahne gerinnen konnte. Wir ließen dies über Nacht geschehen.

Scheinbar erhält man weniger Clotted Cream als bei einer klassischen Charge, die mit Sahne aus Kuhmilch hergestellt wird. Aber es hat funktioniert und ist in der Tat sehr schmackhaft!

Da wir den Ofen am Laufen hatten, haben wir auch eine Ladung Kokosjoghurt hergestellt, damit er oben auf dem Herd stehen konnte, wo es warm war. Wir hatten das vor kurzem probiert und festgestellt, dass dieser Joghurt wirklich sehr gut schmeckt.

In der Zwischenzeit haben wir unseren Joghurt-Maker benutzt, um eine große Charge Sojajoghurt herzustellen – unsere reguläre Methode.

Der Rest unserer hausgemachten Kokosmilch wurde zur Herstellung von Scones und einem Pfannkuchen verwendet. Wir mischten auch die abgeseihten Kokosnussflocken und einige der abgeseihten Obstreste aus unserer Hefe- und Essigherstellung hinein, letztere nach gründlichem Vermahlen.

Auf diese Weise bekamen wir Cantaloupe-Kokos-Scones zum sofortigen Verzehr, Apfel-Rosinen-Scones, welche wir für die Herbstfeiertage eingefroren haben, und einen großen Ofenpfannkuchen mit Banane. Ja, man kann Bananenschalen essen. Ich finde sie roh nicht sehr schmackhaft, aber wenn man sie mit etwas Flüssigkeit zermahlt, nachdem man sie zur Herstellung von Hefe oder zum Ansetzen von Essig (was dasselbe Verfahren ist) verwendet hat, kann man sie wirklich gut in Brot und Kuchen verwenden. Der Bananengeschmack kommt durch und der Gärungsprozess hat sogar noch etwas mehr an Nährwert hinzugefügt.

Ich kann derzeit nicht viele Spaziergänge mit Dir unternehmen. Stattdessen zeige ich etwas Slow-TV für Slowfood, nehme Dich mit auf eine Reise in die Welt der saisonalen Speisenzubereitung und hoffe, dass Dir diese kleinen Abschnitte der Küchenmeditation genauso viel Freude bereiten wie die Spaziergänge – die wieder kommen werden, dessen bin ich mir gewiss.

Welche Traditionen ehrst Du um diese Jahreszeit? Beginnst Du auch gerade mit der Ernte – sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne?

Bist Du bereit, heute ein helles Licht der Gewahrsamkeit auf den Pfad des Seins zu leuchten?

Alles Liebe,
Steffi

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