Der Jahreskreis Im November – Da Kriegt Man Doch ‘Nen Vogel!

Cranes © Stefanie Neumann - #KBFPhotography - All Rights Reserved.

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Vor gut einer Woche dachte ich, dass ich beobachtet hätte, wie Wildgänse – genau genommen Kanadagänse – über unseren Balkon gen Süden zogen.

Darüber hatte ich mich sehr gefreut, denn normalerweise besuche ich die Kanadagänse immer in der Feldmark, wo sie im Frühjahr einziehen um zu brüten und ihre Jungen großzuziehen. Da ich es dieses Jahr aufgrund der Pandemie kaum in die Feldmark geschafft habe, freute ich mich besonders, dass ich sie noch einmal sehen durfte, bevor sie die lange Reise in ihr Winterquartier antraten.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Ein Vogelbeobachter auf Twitter mit mehr Erfahrung machte mich darauf aufmerksam, dass, was ich da gesehen habe, wahrscheinlich Kraniche waren.

Total verrückt, denn die wollte ich schon immer mal sehen und hören!

Letztes Jahr hatte ich zwar gehört, dass auch Kraniche über Hamburg hinweg ziehen, aber meines Wissens keine gesichtet. Gänse schon – und da bin ich mir noch immer ziemlich sicher, dass es Kanadagänse waren.

Nun hatte ich Kraniche wahrscheinlich wort-wörtlich vor der Kameralinse gehabt und sie nicht als solche erkannt.

Dafür habe ich mich jetzt erneut schlau gemacht.

Einen Überblick zur Unterscheidung gibt es auf den Seiten des NABU.

Hier wird ausgeführt, dass Kraniche wie Gänse oft in Keilformation fliegen. Andernorts habe ich gehört, dass sie manchmal auch in Schrägformation fliegen, was allerdings auch für beide Arten zu gelten scheint.

Der Flügelschlag der Kraniche ist wohl meist langsamer und man kann zwischendurch Segelphasen beobachten, welche bei den Wildgänsen nicht auftreten.

Auch sind Kraniche wohl größer, als Wildgänse.

Zudem haben Kraniche eckigere Flügel mit sehr langen, abgespreizten Federn an den Flügelenden, während die Flügel von Wildgänsen spitz zulaufen.

Weiterhin ragen die langen Beine der Kraniche über die Schwanzfedern hinaus, was bei Gänsen nicht der Fall ist.

Der freundliche Vogelbeobachter auf Twitter hat mich außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass Kraniche helle Hälse und dunkle Flügel haben. Wenn man das auf Fotos schwer erkennen kann, lohnt es sich, diese zu vergrößern, selbst wenn sie dann pixelig werden, denn unter Umständen kann man dies dann erkennen.

Weiterhin kann man Kraniche und Wildgänse am Ruf unterscheiden. Das ist mir bisher, besonders im Bezug auf die Kanadagans, nicht gut gelungen. Warum weiß ich nicht, denn jetzt kann ich es genau hören. Wahrscheinlich muss man einfach beide einmal live gehört haben – oder zumindest scheint das bei mir so zu sein.

Kraniche trompeten ein melancholisches “krru-krarr”. Vogelstimmen: Kranichruf

Kanadagänse tröten ein “kara-kara” und machen im Flug kurze Gurrlaute. Vogelstimmen: Ruf von Kanadagänsen

Abschließend habe auf den Seiten des NABU gesehen, dass meine Sichtung genau in die Zeit des Kranichflugs gefallen zu sein scheint.

So habe ich doch wieder etwas gelernt. Das wollte ich gerne teilen.

Dass ich so viel Wildnis beobachten kann, obwohl ich in der zweitgrößten Stadt des Landes lebe, freut mich sehr. Hamburg hat immer ein besonderes Auge auf die Integration und den Erhalt von Landschafts- und Naturschutzgebieten in der und um die Stadt gehabt und ich wünsche mir, dass dies auch so bleibt.

Dafür, dass ich so viel urbane Natur erleben darf, bin ich dankbar.

Übrigens stand ich gerade mit der Fotokamera in der Balkontür, als die Wildgänse, die Kraniche waren, über unser Haus flogen. Entsprechend gibt es sogar ein kurzes Video:

Kriegst Du auch manchmal ‘nen Vogel – zu Besuch, meine ich? Welche Vögel besuchen Dich und welche würdest Du gerne mal sehen? Was beobachtest Du sonst noch so, in der Natur?

Bist Du bereit, heute ein helles Licht der Gewahrsamkeit auf den Pfad des Seins zu leuchten?

Alles Liebe,
Steffi