Es Fühlen, Nicht Verbergen

Hell-lilane, halb geschlossene Krokusse auf grüner Wiese. - © Stefanie Neumann - #KBFPhotography - All Rights Reserved. - Fair lilac, half-closed crocuses on a green meadow.

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Es fühlen, nicht verbergen. – Dies ist eine Botschaft, an die ich während der letzten Woche erinnert wurde.

In den letzten fünf Jahren wurde ich mit sehr herausfordernden Situationen konfrontiert. Mehr noch, es kam mehr und es war keine Hilfe in Sicht. Bis zu dem Punkt, an dem ich nicht mehr weitermachen konnte.

Glücklicherweise wurde dies vom Universum bemerkt und mein Hilferuf wird langsam erhört.

Es ist immer noch eine Herausforderung. Und manchmal sogar beängstigend. Das sind die Momente, in denen ich am liebsten das tun würde, was alle um mich herum anscheinend bevorzugt tun: Den Kopf in den Sand stecken wie ein Vogel Strauß.

Das Problem ist, dass dies nichts an der herausfordernden und beängstigenden Situation ändert.

Manchmal gibt es überhaupt nicht viel, was man mit all dem tun kann. Das fühlt sich höchst überwältigend und lähmend an und es saugt die Lebenskraft aus mir heraus..

Das sind die Momente, in denen ich einfach alles beiseite schieben und nichts mehr fühlen möchte.

Aber das ist, als ob ich in einem Sumpf feststecke und mit den Armen um mich schlage. Es lässt mich nur schneller tiefer sinken.

Das Leugnen der Realität, in der ich lebe, hilft mir nicht, mit ihr umzugehen.

Wie komme ich also aus der Lähmung, dem Festgefahren-Sein heraus? Wie verhindere ich, dass ich noch schneller im Sumpf versinke?

Nun, zuallererst muss ich aufhören, mit meinen Armen herum zu rudern und ruhig werden. Ich muss aufhören zu leugnen und anfangen zu akzeptieren.

Auf Jennifer Farleys Blog “The Creator Writings” las ich kürzlich den Ausspruch ‘Walk with it’. Es wurde erklärt, dass das Gehen mit einer herausfordernden Erfahrung zu einem tieferen Verständnis derselben führen kann. Oder, mit anderen Worten: Damit zu sein, kann mehr Klarheit bringen.

Ich muss sagen, dass ich dies im Laufe meines Lebens als sehr wahr erlebt habe. Ich weiß nicht, ob es für jede:n zutrifft, aber für mich scheint es definitiv so zu funktionieren.

Eckhart Tolle nennt dies, im Jetzt sein und sich ergeben oder hingeben, so dass wir dem Fluss des Lebens nachgeben können, anstatt uns ihm zu widersetzen.

Als ich all das Unheil betrachtete, das sich immer weiter auftürmte, besonders in den letzten zweieinhalb Jahren, wurde mir klar, dass es Zeiten gab, in denen ich nicht einmal Raum hatte, mich durch die Dinge zu fühlen und mit ihnen zu gehen. Ich war so sehr mit dem Überleben beschäftigt. Und dann, als ich wieder etwas mehr Raum hatte, hatte ich nicht bemerkt, dass ich von der gesunden Gewohnheit, mich durch die Dinge durchzufühlen, abgekommen war. Es war einfach zu viel gewesen, um damit umzugehen, und es gab nicht genug Hilfe. Und schließlich gewann die Angst die Oberhand über mich und ich begann, auf jene alte, reaktive Konditionierung zu hören.

Die Reaktion ermöglicht es uns, in gefährlichen Situationen schnell und eher instinktiv zu handeln. Es kann also sehr hilfreich sein, wenn jemand in der Lage ist, schnell zu reagieren.

Doch alles hat seine Zeit, und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir Raum für sorgfältigere Betrachtung haben. Und in diesen Momenten kann die Reaktivität zu einem sehr statischen Verhaltensmuster führen, das uns an bestimmten Stellen festhalten und Veränderungen verhindern kann.

Jetzt, wo sich die Dinge ein wenig aufhellen, gibt es Raum für Betrachtung. Es mag nicht viel sein, aber genug, um Veränderung zu bewirken und zu erlauben. Veränderung, die dringend nötig ist. Und wenn man nicht viel hat, ist es umso wichtiger, das Beste daraus zu machen.

Die Leute sagen, ich sei gut darin, und ich glaube, sie haben Recht.

Das Herausfordernde daran, nach so langer Zeit des reinen Überlebens mit etwas zu sein, ist, dass ich auch anfange zu bemerken, wie groß der Kothaufen ist, der sich zu meinen Füßen angesammelt hat, als die Kacke am Dampfen war.

Für einen Moment fühlt es sich noch schrecklicher und beängstigender an. Das sind die Momente, in denen ich mich daran erinnern darf, dass ich das Schreckliche und Beängstigende jetzt wahrnehmen kann, weil jetzt Raum da ist. Und die Tatsache, dass da Raum ist, bedeutet, dass die Dinge jetzt besser werden. Abgesehen davon hat die schreckliche, beängstigende Situation schon Jahre gedauert und ich habe jeden Tag damit gelebt.

Dies zu bemerken, macht die Situation selbst nicht schlimmer. Es macht sie mir nur gewahr und dieses Gewahrsein hilft mir, Klarheit zu gewinnen, damit ich Wege aus der Misere finden kann.

Jemand hat kürzlich auf Twitter gesagt, dass es nicht nötig ist, nach dem Glück zu suchen, weil wir es sind.

Als ich dies las, fühlte ich mich nicht wirklich glücklich. Gleichzeitig wusste ich, dass er Recht hatte, denn ich habe diese Wahrheit bereits früher erfahren. Also habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass ich im Moment keinen Zugang zu dieser Erfahrung habe.

Ich fragte mich, ob in diesen Momenten, in denen ich Glück nicht erfahren kann, die Angst die Oberhand gewonnen hat und es geschafft hat, mich aus meiner Mitte, meinem Tempel, zu scheuchen.

Dann fragte ich mich, wie mir das passieren konnte.

Schließlich erkannte ich, dass dies wahrscheinlich passiert ist, während ich mit dem Überleben beschäftigt war, also mit Reagieren, und dann blieb ich dort stecken, weil meine alte Konditionierung, jene, die ich erlernt habe, als ich aufgewachsen bin, mir sagte, ich solle verbergen und nicht fühlen. Sie sagte mir, dass ich nicht glücklich sein kann, wenn ich die beängstigenden Dinge anschaue, die Negativität bemerke und fühle, was das mit mir macht.

Ich erkannte auch, dass dies falsch ist. Ich weiß es sogar aus Erfahrungen, die ich bereits gemacht habe.

Und dann begann es zu fließen. Und es fühlte sich furchtbar an. Es fühlte sich an wie ein Zusammenbruch, aber in Wahrheit war es ein Durchbruch, weil es Raum für Veränderung schaffte.

Die Dinge sind immer noch ziemlich schrecklich. Dennoch erfahre ich auch eine Erleichterung und mehr Licht.

Warum ich das erzähle?

Weil ich weiß, dass viele Menschen gerade eine schwere Zeit durchmachen und ich dachte mir, vielleicht bin ich nicht die Einzige, die solche Erfahrungen gemacht hat. Und so wie ich eine Gedächtnisstütze brauchte, können andere vielleicht auch eine gebrauchen.

Oder vielleicht hilft es jemandem einfach zu wissen, dass er oder sie nicht alleine dasteht.

Oder vielleicht hilft es jemandem, die Entscheidungen eines geliebten Menschen besser zu verstehen, der anders verdrahtet ist als man selbst.

Es ist keine Regel oder Religion oder etwas, das für alle anderen in Stein gemeißelt ist. Es ist schlicht meine Erfahrung. Und der Austausch von Erfahrungen hilft, besser zu verstehen, und manchmal inspiriert er auch.

Die Welt braucht mehr Verständnis und Inspiration.

Also, da hast Du es.

Wie gehst Du mit herausfordernden oder beängstigenden Situationen um? Was funktioniert für Dich?

Bist Du bereit, heute ein helles Licht der Gewahrsamkeit auf den Pfad des Seins zu leuchten?

Alles Liebe,

Steffi