Leben Im Jahreskreis Im Januar

2021-01-19_Dancing the Wheel in January 00 © Stefanie Neumann - #KBFPhotography: Das Bild zeigt eine weiß leuchtende Schneeflocke (Teil einer LED Lichterkette) vor dunklem, schwarz erscheinendem Hintergrund. - The image shows a white shining snowflake (part of a LED light chain) in front of a dark, black appearing background.

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Nachdem uns die Heiligen Drei Könige am 6. Januar das Licht der Erkenntnis ins Gedächtnis gerufen haben, wird es auch draußen ganz langsam wieder heller.

Auch lernte ich kürzlich, dass die Heiligen Drei Könige uns über dies hinaus daran erinnern, das Körper und Geist der Seele vertrauen dürfen weil die Seele den Weg kennt und weiß, dass dieser behütet ist.

Diese Idee berührt mich tief und ich finde sie äußerst zeitgemäß, gerade in solch schwierigen und oft verwirrenden Zeiten wie diesen. Statt vor Angst zu verzweifeln oder gar die Realität ganz zu leugnen, dürfen wir uns beiden stellen – unserer Angst und der Realität – im Vertrauen darauf, dass wir, so wir Verbunden bleiben mit dem großen Ganzen – schon eine Lösung finden, einen Weg hinaus aus der Schwere und der Verwirrung, hinein ins Licht, ins Leichte.

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Aus der Schwere und der Verwirrung in dunklen Zeiten finde ich oft heraus, indem ich mich auf ganz Einfaches, Alltägliches besinne. Darüber habe ich ja bereits letzte Woche schon etwas geschrieben.

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Ganz konkret bedeutet das, zum Beispiel, dass ich die urbane Natur um mich herum wahrnehme und mich an ihr erfreue, selbst wenn ich derzeit noch immer kaum raus komme.

So hat mich neulich ein Rotkehlchenweibchen besucht. Ganz im Sinne der Abstandsregelungen ließ Frau Rotkehlchen sich auf dem Balkon nieder, während mich in der Wohnung aufhielt und sie durch die Fensterscheibe der geschlossenen Balkontüre beobachtete. Frau Rotkehlchen hat sich in zwei der größeren Blumentöpfe umgeschaut und sich dann auf die Balkonbrüstung gesetzt, bevor sie mit einem freundlichen Gruß weiterzog. Das war ein besonders schönes Erlebnis, da uns meistens das Männchen besucht und wir das Weibchen kaum zu Gesicht bekommen. Was für eine Freude, dass ich nun beide kennenlernen durfte!

An einem anderen Tag stand ich am späten Nachmittag in der offenen Balkontüre, um den wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen. Wie ich da so stand, bemerkte ich viele Krähen, die über den Hinterhof und die Dächer unserer Wohnhäuser hinwegflogen. Schließlich entdeckte ich, dass auch sie den Sonnenuntergang beobachteten – und zwar von den Zweigen der Espe aus, welche an der hinteren Zufahrtsstraße zu unserem Wohnblock steht. So genossen wir alle gemeinsam den Sonnenuntergang. Dies beschenkte mich mit einem Gefühl, welches ich bis dahin eigentlich nur aus der Feldmark kannte, welche ich aufgrund der momentanen Situation seit fast einem Jahr nicht mehr besuchen konnte, denn dort habe ich es oft erlebt, dass die Singvögel sich zu bestimmten Zeiten in den Bäumen und Büschen versammeln, um dem Sonnenuntergang zuzuschauen. Das sind jedes Mal Momente tiefen Friedens für mich. Wie reich wurde ich doch an jenem Abend beschenkt, als die Krähen dieses Gefühl direkt zu mir nach Hause brachten!

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Eines weiteren sonnigen Tages gab sich Herr Kohlmeise die Ehre und gab vom höchsten Ast des Pflaumenbaums ein frühlingshaftes Hinterhofkonzert mitten im Januar. Elstern und Krähen stimmten mit ein und sogar ein Fink kam zum Zuhören vorbei. Was für eine Inspiration!

Am Nachmittag desselben Tages stieß ich nämlich auf eine Aktion, welche wohl gerade auf TikTok unter dem Hashtag seashantytok viral geht. Dort singen und spielen User*innen verschiedene Stimmen des neuseeländischen Shantys „The Wellerman“ ein und stellen es als immer weiter wachsenden, instrumental begleiteten, virtuellen Chor im sozialen Netzwerk ein.

Verschiedene Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt mit verschiedenen Stimmen und Instrumenten singen zusammen – genau so, wie die Vögel bei uns im Hinterhof. Und hier zu Hause, ohne Kamera und Mikrofon, singen wir fleißig mit.

Auch so kann es aussehen, wenn man mit der Natur in Sync ist.

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Nun, da die Tage ganz langsam wieder länger werden, geht es auch auf Imbolc zu, den Beginn des keltischen Frühlings, welchen wir am 1. und 2. Februar feiern. Entsprechend haben wir begonnen, für das Festmahl vorzukochen. Da ich jetzt weiß, dass ich Nachtschattengewächse nur ganz schlecht vertrage, kommen einige unserer traditionellen Mahlzeiten an den Feiertagen nicht mehr in Frage. Darüber habe ich im letzten Herbst schon einmal etwas geschrieben.

Nicht nur, dass wir also einen Feiertag, an dem traditionell Milchprodukte, Eier und Honig geehrt werden, mit veganen Gerichten angemessen begehen wollen, jetzt kann ich zum Tempeh und Wurzelsellerie nach Tafelspitz-Art nicht einmal mehr Kartoffelklöße essen…

2021-01-19_Dancing the Wheel in January 05 © Stefanie Neumann - #KBFPhotography: Das Bild zeigt einen Blick in den Kochtopf, in dem Gemüse zusammen mit einer ganzen Sellerieknolle und einem Block Tempeh nach Tafelspitz-Art kocht. - The image shows a view into the cooking pot, where vegetables are cooking together with a whole celery tuber and a block of tempeh in a boiled beef style.

Das ist ganz klar ein Fall für unsere #KBFMakingOf Experimentierküche…!

Zum Glück sind wir kreativ und haben jetzt endlich einen Weg gefunden, Pastinaken-Klöße herzustellen. Zu Imbolc wollen wir gerne die Farben weiß und hellgrün auf dem Tisch sehen und zudem gehören Pastinaken zu jenen alten Gemüsesorten, die hier in Nordwest-Europa bereits verzehrt wurden, bevor die Kartoffel Einzug hielt.

Als Grundlage nehmen wir das Rezept für Kürbis-Süßkartoffel-Klöße, welches ich im weiter oben verlinkten Blogbeitrag näher beschrieben habe. Nur, dass wir statt Kürbis und Süßkartoffeln eben Pastinaken verwenden und am Ende noch 1 – 1 ½ Esslöffel Chiasamen sowie ½ Teelöffel Kurkumapulver zugeben. Das hat unser erfolgreicher Probelauf ergeben. Die Chiasamen helfen, die Masse noch etwas besser zu binden und das Kurkumapulver hilft, den Grauton etwas fröhlicher zu gestalten, welchen die Klöße leicht annehmen. Zudem ist Kurkuma – auch bekannt als Gelbwurz – sehr gesund. Weiterhin steigen die Klöße bei uns nicht an die Oberfläche wenn sie gar sind. Stattdessen stechen wir sie zum Test vorsichtig mit einem Messer an. Wenn sie leicht und sauber wieder von der Klinge rutschen, sind die Klöße gar.

Käse essen wir als Veganer und Milchallergiker natürlich nicht. Stattdessen gibt es einen veganen Kokosschmelz nach Art von Kochkäse, Tofu nach Feta-Art und wahrscheinlich einen Sonnenblumenkern-Aufstrich nach Frischkäseart. Letzterer wird sogar fermentiert, enthält also Laktobakterien. Allerdings mag ich das bei Sonnenblumenkernen als Grundlage nur bedingt, also wird der Käse nur ganz kurz fermentiert und dann geht es ab in den Kühlschrank mit ihm. Tofu ist ja ohnehin ein fermentiertes Produkt und der Kokosschmelz nach Kochkäse-Art ist viel gesünder als regulärer Schmelzkäse, da wir ja selbst über die Zutaten entscheiden können. So machen wir, zum Beispiel, unsere Kokosmilch selbst.

Quark gibt es bei uns nicht und ich habe bis jetzt auch nicht wirklich eine zufriedenstellende, vegane Alternative gefunden. Doch Sojajoghurt schmeckt uns auch sehr gut und den machen wir sogar selbst. Vielleicht machen wir zur Feier des Tages ja sogar noch einen Kokosjoghurt.

Eier essen wir ebenfalls nicht, doch vielleicht machen wir scrambled Tofu, den wir mit Zwiebeln und Knoblauch anbraten und mit Kräutern sowie etwas Kurkumapulver würzen.

Honig erlauben wir uns in Maßen – sofern die Imker die Bienen gut behandeln. So möchten wir jene unterstützen, die den Bienen helfen und ihnen einen gesunden Lebensraum zur Verfügung stellen. Früher bezog ich meinen Honig über eine befreundete Imkerin. Leider besteht dieser Kontakt nicht mehr. Dafür hat unser Bio-Supermarkt jetzt regionalen Imkerhonig und der Hofladen unseres Vertrauens sowieso – nur dass wir da ja momentan nicht hinkommen.

Natürlich sind auch leckere Kekse geplant. Darauf freue ich mich immer sehr, denn nach diesem besonderen Rezept backen wir nur ein Mal im Jahr.

Wenn ich mir das alles so anschaue, bin ich dankbar für all die Vielfalt.

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Übrigens habe ich zwar die Weihnachtsdekoration weitgehend wieder weggeräumt und sicher verpackt, doch die elektrischen Weihnachtslichter bleiben noch eine Weile im Fenster. Gerade jetzt brauchen wir sie doch!

Ja, und so folge ich in dieser Zeit dem Licht, konzentriere mich auf die Lichtblicke und finde so meinen Weg.

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Was hilft Dir in dunklen Zeiten Deinen Weg zu finden?

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Bist Du bereit, heute ein helles Licht der Gewahrsamkeit auf den Pfad des Seins zu leuchten?

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Alles Liebe,
Steffi

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